Child Safety Net (Indien)
Mehr anzeigen

Vijayawada ist eine Provinzstadt mit ca. einer Million Einwohner und bekannt für seine Automobil-, Eisen- und Textilindustrie. Diese Industriezweige ziehen viele Wanderarbeiter an, unter ihnen auch viele Kinder. Die Schwächsten unter ihnen sind die Straßenkinder, welche ohne Schutz vor Witterung und Gewalt auf der Straße leben müssen.

 

Etwa die Hälfte dieser Kinder, die in die Stadt strömen, stammt aus den Dörfern um Vijayawada. Die indische NGO "Navajeevan Bala Bhavan" (www.njbb.org) versucht durch ihre Arbeit auf der Straße das Vertrauen der Kinder zu gewinnen.

In sogenannten Shelters (Anlaufstellen im Slum) erhalten sie eine Mahlzeit und medizinische Versorgung. Unter anderem ermöglichte es die Organisation, dass die Straßenkinder in einer öffentlichen Schule die Nächte verbringen können.

Eine weitere Hauptaufgabe von Navajeevan ist es die Kinder zu rehabilitieren. Dazu betreibt das Projekt mehrere Häuser, in denen die Kinder wohnen können und eine Ausbildung erhalten.

Auch bemüht sich das Projekt, die Eltern der Straßenkinder ausfindig zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Kinder wieder in ihre Familien zurückkehren können.

 

All diese Tätigkeiten werden u.a. durch Spenden aus Deutschland, den Niederlanden, Lichtenstein und der Schweiz finanziert.

 

Im Oktober vergangenen Jahres stellte uns dann Martin Suckow, ein Bekannter von unserem langjährigen Mitglied Marie Renard, eine neues Projekt von Navajeevan vor, das die Straßenkinderarbeit ergänzen soll. Martin Suckow hat sich schon oft in dem Projekt aufgehalten und kennt Thomas Koshy persönlich.

In diesem Projekt soll ein sogenanntes "Child Safety Net" gegründet werden. Ziel ist es, in 114 Einrichtungen in 10 Dörfern in der Umgebung von Vijayawada jeweils ein Team von 5 Personen zu bilden. Diese sollen dann an den jeweiligen Schulen als eine Art Vertrauenspersonen und Anlaufstelle für misshandelte und vernachlässigte Kinder fungieren. Sie sollen die Kinder in ihren Rechten beraten, damit sie diese ggf. einfordern können, wie z.B. das Recht auf Unversehrtheit, Recht auf persönliche Entwicklung.

 1992 hat Indien die Kinderrechtskonvention der UNO ratifiziert und verpflichtet sich damit, Kinder vor Ausbeutung aus wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Gründen und jeglicher Form von Arbeit zu schützen.

Des weiteren soll ein Programm entwickelt werden, um Mädchen aus benachteiligten Bevölkerungsschichten den Zugang zu den oben genannten Schulen zu ermöglichen. Auch soll ein Verhaltenskodex für Schulpersonal und Schüler festgelegt werden, an dem u.a. alle Formen von Gewalt im Umfeld der Schulen verboten werden. Dazu soll das Schulpersonal, was Gewalt und Missbrauchsfälle angeht, geschult werden.

 

Werden den Teams Fälle von Gewalt und Missbrauch gemeldet oder wenden sich die betroffenen Kinder an die Teams, sollen die Behörden und die Polizei mit einbezogen werden. Diese Fälle werden gemeldet und registriert. Falls es zu einer Anzeige oder einem Verfahren kommt, sollen diese dann unterstützt und begleitet werden. Melden sich missbrauchte Kinder, so sollen diese medizinisch und psychologisch versorgt werden.

 action five finanziert dazu die Ausbildung von Trainern, welche wiederum die Teams an den Schulen ausbilden sollen. Sie sollen darauf achten, dass vorher festgelegte Standards an den Schulen eingehalten werden. Die Teams setzen sich aus 3 Mitgliedern aus dem Umfeld der Schule und zwei von lokalen Behörden zusammen. Diese arbeiten auf freiwilliger Basis.

Mit Hilfe dieser Teams sollen zum ersten Mal die Missbrauchsfälle registriert werden. Mit diesen Daten kann man dann im Laufe der Zeit feststellen, ob sich durch die Aufklärungsarbeit die Situation der Kinder verbessert hat. Wir hoffen durch diese Unterstützung die Situation der Straßenkinder auf Dauer verbessern zu können.

 

Im Dezember haben wir beschlossen, das "Child Safety Net"-Projekt mit 6.400,- Euro zu unterstützen.