Brunnenbauprojekt in Guatemala

Bereits im August 2009 haben wir beschlossen,ein Brunnenbau-Projekt in Guatemala zu fördern. Das Projekt umfasst den Bau von 35 Brunnen im Dorf Tzananbaj in der Region Cunén etwa 100 Kilometer nördlich von Guatemala-Stadt und hat ein Gesamtvolumen von 8.352,70 Euro. Seilpumpen-Brunnen mit Kurbelantrieb.

Das Projekt wurde uns von Susanne und Maria zwei Kommilitoninnen von Sarah vorgestellt. Da beide bereits ein Praktikum bei der durchführenden guatemaltekischen NGO „FUNCEDESCRI“ absolviert haben, konnten sie uns von der Verlässlichkeit unsere Partners überzeugen.

Guatemala ist eines der ärmsten Länder Südamerikas und weist einen HDI1 von 0,704 auf, was dem 122. Rang entspricht. Knapp 60 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. 25 % der Einwohner gelten als mangelernährt. Kein anderes Land in Lateinamerika hat einen höheren Anteil an Unterernährten. Diese Problematik wurde dieses Jahr durch eine extreme Dürre verschärft, welche durch das Klimaphänomen „El Niño“ ausgelöst wurde. Präsidenet Álvara Colom sah sich deshalb sogar im September genötigt, den Hungersnotstand auszurufen.

Darüber hinaus hatte Guatemala Anfang November unter dem Hurrikan „Ida“ zu leiden welcher durch sinnflutartige Regenfälle zu schweren Überschwemmungenim ganzen Land führte. Viele Familien der Projektregion verfügen bis heute nicht über einen quantitativ und qualitativ zufrieden stellenden Zugang zu Trink- und Haushaltswasser. Brunnen sind häufig nur über längere Fußmärsche zu erreichen, was insbesondere für die Frauen eine erhebliche Belastung darstellt. Zudem wird von den Familien in der Trockenzeit Wasser für die kleinbäuerliche Landwirtschaft benötigt.

Die Familien der Projektregion verfügen häufig über kleine landwirtschaftliche Nutzflächen, auf denen Grundnahrungsmittel und Gemüse für die Versorgung der Familien angebaut werden können. Auf Grund schlechter oder nicht vorhandener alternativer Einkommensmöglichkeiten ist die landwirtschaftliche Selbstversorgung für die Sicherung der Ernährung der Familien essentiell.

Häufig ist jedoch die Nutzbarkeit der Flächen wegen Wassermangel in der Trockenzeit eingeschränkt. Für eine hinreichende Produktivität und eine Sicherstellung der Abreife der Kulturpflanzen ist daher eine Bewässerungsmöglichkeit erforderlich.

In der Region sind ca.10-30 m tief anstehende Grundwasseradern vorhanden, die sich in der Regenzeit regenerieren. Das Wasser ist in der Trockenzeit jedoch nicht oberflächlich zugänglich. Daher ist es erforderlich, Brunnen zu bauen und einfache Bewässerungssysteme zu installieren. Ziel des Brunnenbauprojektes ist es, die Versorgung der Familien mit Trinkwasser sowie Wasser für den Haushalt und die landwirtschaftliche Erzeugung sicherzustellen. Damit wird die Hygiene und Gesundheit verbessert, die Frauen und Mädchen werden entlastet und die Ernährungssituation wird verbessert, indem die Erzeugung von Lebensmitteln in der Subsistenz-Landwirtschaft sichergestellt wird. Zusätzlich werden Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vor Ort geschaffen: Zum einen für Handwerker, die bei der Erstellung der Brunnen beteiligt sind, zum anderen langfristig für die Familien, die landwirtschaftliche Erzeugnisse auf den Märkten der Region anbieten können.

Das Projekt umfasst sowohl die Bohrung der Brunnen, Bewässerungsschläuche und eine Seilpumpe als auch die Schulung ausgesuchter Personen, damit eine Instandhaltung der Pumpund Brunnenanlagen gewährleistet ist.

Ende November hat uns Susanne noch einmal über den neusten Stand unterrichtet. In den nächsten Tagen wird die heiße Phase beginnen und bis zum März sollten alle Brunnen errichtet worden sein. Dazu muss aber erst einmal eine Diagnose erstellt werden, um die Quellen genau zu verifizieren. Dies war bislang noch nicht möglich, da der Wasserlevel in der Winterzeit noch nicht verlässlich ermittelt werden kann. Dies sollte aber in den nächsten Tagen und Wochen geschehen, so dass wir davon ausgehen, gegen März unseren ersten Bericht über den erfolgreichen Bau und die Inbetriebnahme der Brunnen zu erhalten.

 

Nachtrag vom 19.05.2010:

Mittlerweile dürften alle Brunnen gebaut worden sein. Die Brunnen haben eine Tiefe von 4 - 13 Metern und wurden von den Familien in Eigenleistung errichtet. Diese wurden vorher für den Bau geschult. Ebenfalls wurden fünf örtliche Techniker geschult, um Zementröhren herzustellen, die zur Wandverstärkung der Brunnen dienen sollen. Jede Familie hat drei dieser Zementrohre erhalten. Ebenfalls wurden fünf Techniker für den Zusammenbau der Pumpen geschult. Die Pumpen wurden alle an die Familien ausgegeben und die Familien haben eine Einweisung in den Gebrauch und die Wartung der Pumpen erhalten. Als günstig für das Projekt hat sich auch die Tatsache erwiesen, dass man auf die Erfahrungen von zwei Gemeinden zurückgreifen konnte, die bereits Förderpumpen besitzen. Die betroffenen Familien sind sehr zuversichtlich, dass die Brunnen ihnen ihr Leben  erleichtern wird.

Hier ein Foto vom Brunnenbau: