Die Fundación SODIS (Bolivien)

Seit Januar 2020 ist action five im Austausch mit der Aktion SODIS aus Aachen, einer ehrenamtlichen studentischen Gruppe, die sich in Bolivien engagiert.

Zielregion all ihrer Bemühungen ist Micani, einer der statistisch ärmsten Distrikte des Landes. Durch intensive Befragungen und Bedarfsanalysen vor Ort hat sich die Gesundheitsversorgung und -förderung als eines der zentralen Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung herausgestellt. Das verunreinigte Trinkwasser, der fehlende Zugang zu sanitären Einrichtungen, die Rauchbelastung durch Kochfeuer und Öllampen in Innenräumen sowie Mangelernährung führen insgesamt zu einer Vielzahl an gesundheitlichen Problemen, die sich insbesondere in der hohen Kindersterblichkeit in der Region widerspiegelt. Obwohl die Bevölkerung sich vieler dieser Gefahren für sie selbst und ihre Familien bewusst ist, fehlten bislang das Wissen und die finanziellen Ressourcen, um diese eigenständig anzugehen.

Jede der 386 Familien, mit denen sie aktuell in Micani arbeiten, soll in der Lage sein, gesundheitliche Risiken in ihrem Haushalt und  den Schulen ihrer Kinder einzudämmen. Zu diesem Maßnahmenkatalog gehört das Durchführen von Hygieneschulungen, die Verbreitung von Trinkwasseraufbereitung, effizienten Solarlampen und der Bau von Trenntoiletten und rauchfreien Kochstellen. Um die Projekte finanziell nachhaltig zu gestalten, wird der Ansatz verfolgt, unternehmerische Bestrebungen innerhalb der Familien Micanis zu fördern.

Einerseits sollen sich die im Projekt ausgebildeten lokalen TechnikerInnen als Selbstständige verstehen, und ihre Fertigkeiten der gesamten Dorfgemeinschaft zur Verfügung stellen. Andererseits sollen die Familien durch eine Einkommensquelle dazu in der Lage sein, diese Leistungen auch in Anspruch zu nehmen. Daher wird nun ein zusätzliches Teilprojekt geschaffen, welches nun ein breiteres Interessensfeld abdecken soll: Gesundheits- und Ernährungsschulungen, sowie Projekte zur Einkommensgenerierung durch den Anbau des Tara Baums. Diese Angebote richten sich gezielt an eine weibliche Zielgruppe und sollen dazu beitragen die Chancengleichheit und das Mitbestimmungsrecht der Frauen zu bestärken. Allen Familienmitgliedern, insbesondere Frauen, soll somit der Zugang zu regelmäßigem Einkommen ermöglicht werden. action five fördert in diesem Sinne die „escuela de campos“ und die Durchführung einer besonders für Frauen integrativen Form der mobilen Fortbildungsmethode. Die Einführung des bereits heimischen Tara Baums in die Gemeinden Micanis als einkommensgenerierende Agro-Forrest Pflanze und Trainings über Anbau und Aufzucht der Pflanze werden mit besonderer Berücksichtigung von Teilnahme und Ermächtigung weiblicher Gemeindemitglieder durch-geführt. Im weiteren Verlauf steht die Anbindung der künftigen Anbauregion an die Industrie der Lederverarbeitung als Schlüsselabnehmer in der Wertschöpfungskette auf dem Plan.

Wie sich vermuten lässt, macht die Corona-Pandemie auch vor der Projektarbeit in Bolivien nicht Halt. Eigentlich sollte sich das Team vor Ort und die sie unterstützenden Lokalexpert*innen planmäßig seit Anfang des Jahres Landwirtschaftsschulungen und dem Aufbau weiterer Dorfkooperativen widmen. Das war vorübergehend leider logistisch nicht möglich, denn Bolivien hat entschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung von COVID-19 im Land zu bremsen. Der größtmögliche Beitrag lag schließlich darin, dass sich die Krankheit nicht unter den 20.000 Menschen in San Pedro de Buenavista (jene Provinz zu der auch Micani gehört) ausbreitet. Die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung ist, angesichts der fehlenden Möglichkeiten stationärer oder gar intensivmedizinischer Behandlung, groß.

Vor diesem Hintergrund ruhten bedauerlicherweise planmäßige Aktivitäten. Hauptamtliche Kolleg*innen im Feld und die von ihnen ausgebildeten Lokalexpert*innen aus den Dörfern Micanis widmeten sich derzeit mit Hochdruck der Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu leisten – durch Schulungen in den Dörfern zu Hygiene und Infektionsschutz, durch das Verteilen von Informationsmaterial und Seife oder durch Radiobeiträge in der Region. Da das Virus vor politischen Grenzen keinen Halt macht, wurden auch die angrenzenden 5 Distrikte der Provinz San Pedro de Buenavista miteinbezogen. Bolivien hat frühzeitig sehr drastische Ausgangsbeschränkungen angeordnet und so entwickeln sich die Fallzahlen dort noch nicht so sprunghaft, wie anderswo. Die Regierung beginnt inzwischen in unbetroffenen ländlichen Regionen die Ausgangsbeschränkungen graduell zu lockern. Seit Mitte Mai können die Teamkolleg*innen von der Fundación SODIS wieder zusätzlich zu den Hygiene- und Infektionsschutz-Aufklärungen auch wieder den Projekttätigkeiten nachgehen. Wir hoffen, dass Bolivien auch weiterhin glimpflich durch die Krise kommt und die Bevölkerung zu-dem bald ihren Berufen nachgehen kann.

 

action five unterstützt die Arbeit der Aktion Sodis in Bolivien in diesem Jahr mit 4.500 Euro.